GreenpeaceHH: "Wie setzt sich der Strommix von EWS-Schönau zusammen?"
Sebastian Sladek: "Unser Strom-Mix kommt gänzlich ohne Stromanteile aus Atom-, Kohle-, und Ölkraftwerken aus. Entsprechend der Prüfung des TÜV Nord vom Mai 2009 besteht der Strom-Mix der EWS zum mindestens 90% aus Erneuerbaren Energien und maximal 10% Kraft-Wärme-Kopplung. Der über einen offenen Liefervertrag bezogene KWK-Strom hilft uns, Prognoseungenauigkeiten bzw. Fehlmengen auszugleichen."
GreenpeaceHH: "Merken Sie ein geändertes Wechselverhalten nach den jüngsten AKW-Störfällen in Krümmel?"
Sebastian Sladek: "In der Tat ist es so, dass die EWS in den letzten Wochen generell eine verstärkte Angebotsnachfrage, wie auch einen leichten Zuwachs der Tarifkundenzugänge verzeichnen konnten. Konkrete Zahlen kann ich Ihnen hierzu allerdings nicht nennen, da zum einen viele Verträge als noch nicht geschlossen gelten müssen, zum anderen unsere Zugangsübersichten monatlich erstellt werden. Zudem sind wir uns überhaupt unschlüssig darüber, ob diese Nachfragesteigerungen in direktem Zusammenhang mit dem erneuten Störfall im AKW Krümmel stehen, da wir seit dem 1. Juli auch mit unserer bundesweiten Anti-Atom-Kampagne „Wrack ab!“ (www.100-gute-gruende.de) in den Medien präsent sind."
GreenpeaceHH: "Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Gründe, warum Ihre Neukunden gerade zu EWS-Schönau gewechselt sind?"
Sebastian Sladek: "Zum einen darf sicherlich der Kostenfaktor nicht vernachlässigt werden, das Strompreisangebot der EWS ist absolut konkurrenzfähig. Darüber hinaus besitzen die EWS als ein bürgereigenes, aus einer Anti-Atom-Bürgerinitiative hervorgegangenes Unternehmen aufgrund ihrer Unternehmensgeschichte aber auch ein besonderes Maß an Glaubwürdigkeit. Wir verstehen uns als ein explizit politisches Unternehmen (siehe auch unsere Kampagne), das auf die Energiewende – insbesondere unter den Gesichtspunkten der Dezentralisierung und Demokratisierung der Energieerzeugung – hinarbeitet. Mit dieser Zielsetzung sind die EWS eben nicht auf maximalen Stromabsatz fokussiert, vielmehr helfen wir unseren Kunden, Einsparpotentiale zu erkennen und umsetzen, auch wenn ein solches Vorgehen natürlich ökonomisch zu unseren Lasten geht. Zum dritten bemühen sich die EWS um ein Höchstmaß an Transparenz in allen Bereichen ihres Unternehmens und betreiben mit hoher Kommunikationsfähigkeit und -bereitschaft gesellschaftliche Aufklärung zum Thema „Energiezukunft“. Dieses Engagement wird auch von den Verbrauchern wahrgenommen und honoriert."
GreenpeaceHH: "Sie verpflichten sich, einen gewissen Anteil ihres Stromes aus neuen Ökoerzeugern zu gewinnen. Welchen Einfluss haben gerade die jüngsten Neukunden auf den Kraftwerkspark von EWS-Schönau?"
Sebastian Sladek: "Die EWS besitzen selbst überhaupt keinen Kraftwerkspark. Lieferantenseitig ist Kundenzuwachs überhaupt kein Problem, es sind noch ausreichend Kapazitäten vorhanden, um die Nachfrage zu decken. Mittelfristig wird natürlich eine zunehmende Nachfrage nach Ökostrom auch zur Installation weiterer regenerativer Kraftwerkskapazitäten führen, während nicht mehr gewollte Atom- und Kohlekraftwerke vom Netz gehen müssen.
Im Hinblick auf das EWS-Förderprogramm besteht allerdings ein direkter Zusammenhang zu den Neukunden, denn unsere Kunden befüllen über den „Schönauer Sonnencent“ unseren Fördertopf, mit dessen Hilfe die EWS bundesweit bisher ca. 1300 dezentrale Stromerzeugungsanlagen unserer Kunden ans Netz bringen konnten. Unter diesem Gesichtspunkt bedeutet Kundenzuwachs also die Möglichkeit der Ausweitung unserer Förderaktivitäten."