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Aufdecken! Konfrontieren!
Und politisch unter Druck setzen! Die Kommunikationsstrategie von Greenpeace
Die Pressestelle entwickelt mit den Themenbereichen und der Aktionsabteilung die Kommunikationsstrategien von Kampagnen. Dabei müssen komplizierte Themen wie z.B. Gentechnik und Atomenergie emotional und vereinfacht in die breite Öffentlichkeit transportiert werden. Botschaft und Statements sind immer wissenschaftlich untermauert. Denn Greenpeace kann nur eins verlieren: die Glaubwürdigkeit.
Klimaschutz statt Kohle, Ole! So protestierte Greenpeace in Hamburg, nachdem Ole von Beust eine Vereinbarung mit Vattenfall unterzeichnet hatte. Foto: Fred Dott/Greenpeace

Das Handwerkszeug der Greenpeace-Pressesprecher umfasst das klassische Spektrum: Informationen sammeln, Kommunikations-Strategie entwickeln, Kontakt zu Journalisten halten, Texte schreiben, Bildmaterial vermitteln, Pressekonferenzen organisieren.

Die Pressesprecher sind immer auf der Suche nach Nachrichten mit Neuigkeitswert. Presseerklärungen zu Aktionen mit hohem Nachrichtenwert haben gute Chancen, in den Medien verbreitet zu werden. Das bedeutet in der Praxis eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen den Pressesprechern und den Greenpeace-Fachleuten aus den Themenbereichen Energie, Gentechnik/Chemie, Wälder und Meere - sowohl auf hauptamtlicher Ebene, als auch bei den Greenpeace-Gruppen in cirka 90 Städten der Bundesrepublik.

Über die aktuelle Pressearbeit hinaus werden bei Greenpeace zahlreiche Printmedien erstellt: Kampagnenbroschüren, Hintergrundinformationen, Plakate und Aufkleber, Kalender und Ausstellungen, Jahresrückblicke, Sachbücher und Informationsmaterial für Schulen. Hinzu kommen die zahlreichen Online-Angebote: Greenpeace ist auf You Tube, auf Facebook, auf myspace, Flickr und auf Twitter. Den ersten Greenpeace-Twitter in Deutschland haben übrigens Ehrenamtliche ins Leben gerufen: Wir, die Greenpeace-Gruppe Hamburg.

Beifang - Tod durch Ertrinken: 300.000 Wale sterben jedes Jahr als ungewollter Beifang in der Industrie-Fischerei. Dagegen protestierte die Greenpeace-Gruppe Hamburg mitten in der Mönckebergstraße. Foto: Martin Langer/Greenpeace

Emotionale Bilder

Das wichtigste Kommunikationsmedium von Greenpeace sind emotionale Bilder. Bilder, die Aufmerksamkeit erregen und Wut erzeugen, sind die zentrale Voraussetzung für TV- und Foto-Berichte. Greenpeace setzt deshalb die modernsten Kommunikationsmittel ein, um schnell Film- und Fotomaterial von Greenpeace-Aktionen weltweit zu verbreiten. Bilder sagen mehr als tausend Worte und können ein Thema oft besser darstellen als nüchterne Texte.

Eine besondere Herausforderung für unsere Foto- und TV-Redaktion ist es, auch solche Umweltthemen zu visualisieren, die wenig fotogen bzw. telegen sind. Zum Beispiel Gentechnik: Um die Ablehnung der Gentechnik in Lebensmitteln zu illustrieren, verkleideten sich 1996 Greenpeace-Aktivisten mit Kaninchenmasken und protestierten als Versuchskaninchen gegen die schleichende Einführung von gentechnisch manipulierter Soja. Dieses Foto wird heute noch in den Medien als Symbolfoto in der Hintergrundberichterstattung zum Thema Gen-Nahrung abgedruckt.

Greenpeace verfügt über ein umfangreiches Foto- und Videoarchiv, das neben der Dokumentation von Greenpeace-Aktionen auch Bildmaterial zu verschiedenen Umweltthemen anbietet - mit Schwerpunkt auf den Themen, bei denen Greenpeace aktiv ist. Bei Pressekonferenzen oder Aktionen sorgen wir dafür, dass die visuellen Medien ausreichend Bildmaterial bekommen können. Darüber hinaus produzieren wir eigene Filme oder Kino-Spots.

 

Verantwortliche beim Namen nennen

Alle reden vom Klima. Wir ruinieren es. Mit dieser Plakatkampagne 1990 gegen Hoechst und Kali Chemie, das heißt die Hauptverantwortlichen Wolfgang Hilger und Cyril van Lierde, hat Greenpeace neun Jahre später einen juristischen Sieg errungen. Wir bekamen eindeutig das Recht zugesprochen, Konzernbosse für die Sünden ihrer Firmen verantwortlich zu machen - zumindest moralisch.

Stopp Beifang! Leben ist kein Abfall! Gegen Beifang in der Industriefischerei protestierte die Greenpeace-Gruppe Hamburg und foderte umweltschonender Fischereimethoden. Foto: Martin Langer/Greenpeace

Juristisch gestärkt hat Greenpeace im September 1999 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt ein neues Großplakat präsentiert. Darauf waren VW-Vorstand Piech und DaimlerChrysler-Chef Schrempp zu sehen, nur bekleidet mit den Feigenblättern Lupo und Smart dem Plakat stand: Wir wollen mehr sehen, Herr Piech und Herr Schremp! Vorzeige-Autos helfen unserem Klima nicht. Greenpeace prangerte an, dass die Autokonzerne nach wie vor nicht erklären, wie sie den Verbrauch ihrer Fahrzeugflotten und damit den Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid (CO2) senken wollen.


Ähnlich ging Greenpeace auch gegen Ingo Kober, den früheren Präsidenten des Europäischen Patentamtes in München vor, dessen Behörde mit Patenten auf Leben nicht nur moralische Tabus brach, sondern auch nationales und europäisches Recht. Greenpeace wird auch in Zukunft Entscheidungsträger für Umweltschäden verantwortlich machen, um eine öffentliche Debatte zu provozieren und die Verantwortlichen unter Druck zu setzen.

 

Kommunikation mit den Förderern

Greenpeace versorgt die Förderer der Organisation mit zahlreichen Informationsangeboten. Dazu gehören die bereits erwähnten Greenpeace Nachrichten sowie Informations- und Spendenbriefe, sogenannte Mailings. Oft sind den Mailings Protestpostkarten oder Unterschriftenlisten beigefügt, um Greenpeace-Kampagnen zu unterstützen.

Die über 530.000 Fördermitglieder von Greenpeace in Deutschland und andere Interessierte können darüber hinaus Informationsbroschüren zu allen Themen erhalten, bei denen Greenpeace aktiv ist. In der Brief- und Telefonzentrale sind Mitarbeiter damit betraut, alle Anfragen sachgerecht zu beantworten oder weiterzuleiten.

 

Kommunikation mit der Zukunft

Es ist vor allem der Nachwuchs, dessen Elan uns Mut macht, hartnäckig für den Umweltschutz zu streiten. Kinder und Jugendliche haben die Nase voll von Umweltsauereien und wollen selber was dagegen tun.Die Kinder- und Jugendarbeit begann 1990 mit der Gründung der Greenteams, der Kindergruppen von Greenpeace. 1997 starteten die Jugendprojekte für Teens zwischen 15 und 18 Jahren.

Die Jugendlichen engagierten sich multimedial gegen Genfood, im Internet auf eigener Homepage, auf Hip-Hop-Konzerten, bei Foto-Shootings oder in Jugendmedien.Die Jüngeren, etwa 10.000 Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, beteiligen sich ebenfalls an Kampagnen. Sie haben sich etwa für ein schärferes Ozongesetz mit der Aktion BISS eingesetzt, mit einer Kinderbanner-Tour gegen den Kahlschlag im kanadischen Regenwald, für den Schutz der Wale bei Kids for Whales und für den Schutz der letzten Urwälder bei Kids for Forests. Für sie gibt es Infomaterial, Handzettel mit Aktionsideen, eigene Kinder-Nachrichten und Kooperationen mit dem Kinderfernsehen, etwa dem Tigerenten-Club, wo sie mit Umweltminister Jürgen Trittin über den Walfang stritten.

Kinder unterschreiben weltweit mit ihrem Handabdruck für den Schutz der Wale und denken sich pfiffige "Wal-Sprüche" aus. Die Kinder werden - wie Greenpeace insgesamt - nicht lockerlassen, bis alle Ziele erreicht sind.