
- Wer einen Klimasprung gemacht hat, darf hier unterschreiben. Foto: Timotheus Timmy/Greenpeace-Gruppe Hamburg
Die Straße ist noch leer, nur ein paar vereinzelte Stände sind schon aufgebaut, ein paar Leute hantieren mit Zeltstangen und großen weißen Planen herum. Sonst ist es still. Es ist Samstag, der 20. Juni, halb zehn Uhr morgens in der Rothestraße. Doch schon bald wird die Schläfrigkeit weichen und einer regen Geschäftigkeit Platz machen. Denn in rund einer Stunde beginnt hier das Kinderfest der Altonale. Die Altonale ist das Stadtteilfest Altonas. Jeden Sommer wird es hier gefeiert und zieht tausende von Besuchern an. Hier in der Kindergasse werden sich Spielgeräte aufreihen, leckeres Essen, ein Radiosender, eine Bühne auf der Ballett getanzt und gesungen wird, - und: „die grünen Helfer“ werden mit ihrem Stand zur Umweltbildung auf den festlichen Plan rücken.
„Die grünen Helfer“ – das sind wir: Ben, Leonard, Xavi, Jan-Jonas, Annina und Leonie, unsere Betreuerin. Wir fünf Kinder sind jetzt alle in der vierten Klasse, wir sind schon lange befreundet. Eigentlich, seit wir eingeschult wurden. Als wir in der dritten Klasse waren und schon eine lange Zeit der Freundschaft hinter uns lag, begannen wir zu begreifen, was mit der Umwelt in dieser Zeit geschieht. Wir lieben die Natur und die Tiere. So, wie wir Menschen im Moment mit ihr umgehen, zerstören wir sie. Keiner von uns erinnert sich mehr genau, was der Anlass dafür war.

- Mit dem Klima-Sprung wollen wir anderen Kindern deutlich machen, wie schnell sie der Umwelt wehtun können.
Aber nach und nach informierten wir uns immer mehr und in uns reifte der Plan, etwas zu unternehmen. Zuerst sammelten wir Spenden für die Tiere im Regenwald, dann schließlich gründeten wir unser Greenteam. Jetzt ist schon wieder eine gewisse Zeit vergangen, seit wir das Team gegründet haben. Wir haben uns seitdem jede Woche getroffen, über all die bewegenden Umwelt-Problematiken diskutiert und die Aufgaben bearbeitet, die uns unsere Betreuerin gegeben hat. Sie nennt uns „ihre kleinen Experten“, darauf sind wir fast ein bisschen stolz. Aber Greenteam-Sein bedeutet nicht bloß rumsitzen, reden, und irgendwelche Aufgaben lösen. In einem Greenteam zu sein bedeutet aktiv zu werden! Es bedeutet, sich mit seinen Ideen, seinem Mut und seiner Kraft für die Umwelt einzusetzen! Und genau das haben wir heute vor!
Wir wollen anhand des Sprungfeldes versuchen, die Umweltverschmutzung, die durch das Fliegen in andere Länder entsteht, ein wenig anschaulich zu machen. Das Sprungfeld ist eine symbolische Welt; in Abschnitten kann man da nach Italien, Ägypten, Indien, Südafrika, Indonesien, Chile, und sogar bis nach Australien springen. Für jedes Land haben wir die Flugstrecke vom Hamburger Flughafen aus berechnet. Nach Rom in Italien sind das zum Beispiel 1600 Kilometer. Dann haben wir mit Hilfe von ein paar Angaben aus dem Internet die Kohlenstoffdioxid- oder auch CO2-Menge berechnet, die beim Flug einer Person in dieses Land in die Luft gepumpt werden würde. Die CO2-Menge wird in Kilogramm angegeben.

- Beim Flug nach Italien werden 352 Kilogramm CO2 in die Luft gepumpt. Dagegen möchten wir etwas tun! Foto: Timotheus Timmy/Greenpeacer-Gruppe Hamburg
Etwas schlucken mussten wir ja schon, als wir die Ergebnisse heraus hatten. Bloß um nach Italien zu kommen werden 352 Kilogramm CO2 in die Luft gepumpt! Und um von dort aus wieder nach Hause zu kommen muss man noch mal die gleiche Menge draufrechnen. Cirka 700 Kilogramm CO2 wären das also! Ein Baum, der pro Tag cirka 6 Kilogramm CO2 bindet, bräuchte rund 120 Tage, um diesen Missstand wieder zu beheben. In der Zeit sind aber schon längst tausende andere Menschen in tausende andere Länder geflogen. Und, das wissen wir alle; die Erde kommt bei unserer täglichen CO2-Verschleuderung nicht mehr so richtig mit! In den letzten 150 Jahren ist der Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft um etwa ein Drittel gestiegen, das haben Forscher festgestellt. Und ihr seht ja selber was passiert. Die Erde erhitzt sich, Naturkatastrophen wie Hurrikane und Überschwemmungen nehmen zu, in einigen Regionen herrscht Wassermangel, Gesundheit und Leben von Tier und Mensch sind bedroht. Ein bisschen macht uns das alles Angst. Auch, wenn wir sicher noch besser dran sind als Menschen in anderen Ländern, die in Küstengebieten Leben oder in trockenen Gebieten unter Hunger leiden müssen. Trotzdem: Wir möchten etwas tun!
All diese Gedanken und unsere Hoffnungen liegen in dem kleinen Sprungfeld aus Kreidestrichen. Wir wollen den anderen Kindern deutlich machen, wie schnell wir der Umwelt weh tun können. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass wir Kinder die Chance haben, etwas dagegen zu tun! Wir können zum Beispiel unsere Eltern überreden, weniger zu fliegen!

- Fast hundert Unterschriften gesammelt: Das Greenteam "Grüne Helfer". Foto: Timotheus Timmy/Greenpeace-Gruppe Hamburg
Auf einmal sind wir überflutet von Kindern die springen wollen, ihre Unterschriften auf die Sonne setzen, strahlend die Urkunden entgegennehmen und interessiert unseren Erklärungen folgen. Ganze Gruppen kommen jetzt, und manchmal sind sogar recht große Kinder dabei, die sind bestimmt schon 15 Jahre alt. Manche von ihnen springen bis nach Australien, einer springt sogar noch weiter. Wir müssen uns richtig „ins Zeug legen“, einer bei den Unterschriften, einer beim Weitsprung, einer bei der Sonne usw. Nach etwa drei Stunden sind wir schon ziemlich erschöpft. Aber die Arbeit macht Spaß. Zwischendurch regnet es so kräftig, dass eins unserer Informations-Schilder ganz durchweicht und verwischt, dann kommt wieder die Sonne raus. Wir machen weiter, bis es langsam dunkel wird, die Musik von der Bühne verstummt, und sich die Kinder im vorbeigehen müde die Augen reiben.
Auf der Rückfahrt nach Hause sind wir trotz der Erschöpfung noch immer ganz aufgewühlt und erzählen uns von den Erlebnissen des Tages. Zwei von uns wurden sogar interviewt, für das Radio „Tide 96“, das wurde direkt live übertragen – in ein paar Tagen dürfen wir uns die CD mit unserem Interview im Studio abholen! Und auch über die kleinen Geschehnisse des heutigen Tages haben wir uns sehr gefreut. Die Karotten-Lollis vom Stand nebenan waren echt lecker, und dann erst die Crepes mit Schokolade auf der anderen Seite! – Da haben wir Rabatte bekommen, aufgrund der guten Nachbarschaft. Und wir haben eine Menge gelernt. Erste Niederlagen einzustecken, mutig mit den anderen Kindern zu sprechen, und wie es ist, Umweltarbeit selber aktiv zu gestalten. Es war ein unglaublich schöner Tag – auf der Sonne haben sich schon fast hundert Unterschriften angesammelt. Morgen wollen wir noch mehr bekommen!
Drei von uns gehen am nächsten Tag wieder hin, obwohl eigentlich ein anderes Team übernehmen sollte. Aber wir machen das morgen freiwillig. Je mehr wir sind, desto besser! Denn – was wäre Umweltarbeit ohne Zusammenhalt und Engagement?
Ben, Leonard, Xavi, Jan-Jonas und Annina, Greenteam "Grüne Helfer"
Noch mehr Fotos von unserem Infostand bei der Altonale findet ihr auf Flickr.



