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Schlechte Luft in Hamburg – warum wir eine Verkehrswende brauchen

Diesel – ein Problem für unsere Gesundheit

Bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff entstehen verschiedene gesundheitsschädliche Stoffe. Dieselgase wurden von der WHO als krebserregend eingestuft, neben Feinstaub entstehen Stickoxide (NOX), von den sich Stickstoffdioxid (NO2) als besonders schädlich erwiesen hat.

Der Verkehr ist laut Umweltbundesamt für 64 Prozent der NO2-Belastungen in Städten verantwortlich – das meiste stammt von Diesel-Pkw.

Hohe NO2-Belastung reizt die Augen und Atemwege und kann zu Atemwegserkrankungen wie eingeschränkter Lungenfunktion, Asthma, Atemnot, Bronchitis, Lungenödemen oder Lungeninfektionen, und Herz-Kreislauf-Problemen führen. Kinder und Menschen, die bereits unter Atemwegserkrankungen leiden, sind besonders betroffen. Bei Kindern wurden geringeres Geburtsgewicht, beeinträchtigtes Lungenwachstum und Asthmaerkrankungen mit NO2-Belastungen in Verbindung gebracht.

Dadurch kommt es in Deutschland jährlich zu mehr als 10.000 vorzeitigen Todesfällen.

Zum Gesundheitsschutz wurden EU-weite Grenzwerte für NO2 festgelegt: Das Jahresmittel von 40μg/m3 NO2 darf nicht überschritten werden.

Messstationen für die Luftbelastung

In Hamburg wurden an allen 4 verkehrsnahen Messstationen, auch an der auf der Max-Brauer-Allee, in den letzten Jahren NO2-Grenzwertüberschreitungen gemessen. Diese rühren vor allen Dingen aus dem Straßenverkehr. Die Belastungen durch Schiffe im Hafen wirken sich vor allen Dingen dort und auf angrenzende Gebiete aus, im Rest der Stadt führen sie lediglich zu einer höheren Hintergrundbelastung.

Faktoren wie die Bebauung, Bepflanzung, das Wetter und die Ausrichtung einer Straße haben Einfluss auf die Geschwindigkeit mit der NO2 aus dem Verkehr sich verteilt und die Konzentration dadurch sinkt. Über Modellrechnungen kann ermittelt werden, wie hoch die Luftverschmutzung an vergleichbaren Standorten sein sollte. Detaillierte, fürBürger*innen einsehbare Karten zur Luftbelastung gibt es in Deutschland im Gegensatz zu Großbritannien nicht. Gerade Radfahrer und Fußgänger in Verkehrsnähe (z.B. auf dem Fahrradweg auf der Straße oder an der Ampel stehend) sind hohen Belastungen ausgesetzt, aber auch Autofahrer selbst sind im Innenraum des Pkw von der Luftverschmutzung durch den Verkehr betroffen.

Der Luftreinhalteplan der Stadt Hamburg

Die EU-Kommission hat wegen der anhaltend hohen Luftbelastung ein Vertrags-verletzungsverfahren gegen mehrere Städte in Deutschland, auch Hamburg, eingeleitet. Das Verwaltungsgericht verpflichtete die Stadt dazu, den Luftreinhalteplan zu überarbeiten.

Die Überarbeitung von Ende Juni 2017 sieht 10 Maßnahmenpakete zur Verbesserung der Luftqualität und Verkehrssituation vor:

  1. Ausbau des ÖPNV
  2. Förderung des Radverkehrs
  3. Intermodale Angebote und Mobilitätsmanagement
  4. Verkehrsmanagement
  5. Busflottenmodernisierung Bus und Bahn
  6. Elektromobilität
  7. Hafenverkehrslogistik
  8. Schifffahrt
  9. Stadt als Vorbild
  10. Energie

Die Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV und Radverkehrs, der Förderung von emissionsarmer (Elektro-)Mobilität und der Emissionen im Hafen sind grundsätzlich positiv zu bewerten. Greenpeace, BUND und NABU kritisieren den Hamburger Luftreinhalteplan als einseitig, zu langfristig und teilweise ungeeignet um die dringend notwendigen, kurzfristigen Verbesserungen für uns Bürger*innen zu erreichen.

Besonders kurzfristig wirksame Maßnahmen, wie Fahrverbote, Umweltzonen und eine blaue Plakette wurden von vorneherein politisch ausgeschlossen oder auf Lkw oder kurze Straßenabschnitte ohne Einhaltungskontrolle begrenzt. Im Gegensatz zur Stadt Stuttgart, die basierend auf Modellrechnungen mit allen potentiellen Maßnahmen Entscheidungen getroffen hat, wurden in Hamburg die kurzfristig wirkungsvollsten Maßnahmen gar nicht erst betrachtet.

Die Mobilität der Zukunft – unsere Vision für Hamburg

E für alle: Ganzheitliche E-Mobilität statt nur E-Autos

An den Innenstadtgrenzen stehen Mobilitätsknotenpunkte mit Leihstationen für E-Autos und E-Fahrräder. Carsharing ermöglicht gut ausgelastete E-Fahrzeuge und relativiert die hohen Anschaffungskosten. Öffentliche Verkehrssysteme, Liefer- und Transportverkehr werden zukünftig mit Strom aus erneuerbaren Energien angetrieben.

Gut gepackt: Lieferverkehr reduzieren und konzentrieren

Für längere Strecken und den Transport großer Waren werden alternative Antriebe und verbesserte logistische Koordination mit Hilfe neuer digitaler Systeme Abhilfe schaffen. Die Lieferströme werden gebündelt und Fahrzeuge optimal ausgenutzt. Der Transport kleiner Güter und auf der „letzten Meile“ wird mit Lastenfahrrädern und kleinen Fahrzeugen mit Elektroantrieb durchgeführt.

Der Nahverkehr in der Innenstadt muss kostenlos sein.

Emissionsarme, integrierte Mobilität und kostenloser öffentlichen Nahverkehr ermöglichen Mobilität für alle Bevölkerungsschichten im Innenstadtbereich.

Im ersten Schritt werden vorhandene alternative Verkehrsangebote miteinander verknüpft (z.B. an den „switchh“-Mobilitätspunkten).

Slow statt stressig: Tempo runter, Verkehr beruhigen.

Ein stetigerer Verkehrsfluss bei niedrigem Tempo senkt die Emissionen und die Lautstärke des Verkehrs auf ein angenehmeres Niveau.

„Shared-Space-Zonen“ ohne Verkehrsschilder und Bordsteine erzeugen einen großen Verkehrsraum, den sich alle teilen.

Platz für Menschen, nicht für Autos: Mut zu autofreien Zonen.

Umweltzonen werden mit distanz- und verschmutzungbasierten Mautzahlungen kombiniert.

Wir bauen ÖPNV und Radverkehr aus, so dass Menschen gerne umsteigen. In der Innenstadt fährt neben Bussen, Taxen und Carsharing-Fahrzeuge zeitlich begrenzt Lieferverkehr und der auch nur zu bestimmten Zeiten.

Dadurch können allmählich Parkplätze reduziert werden, Fußgänger und Radfahrer erobern so die Stadt Schritt für Schritt und „Rad für Rad“ zurück.

Feet first: Vorfahrt für Fußgänger

Die Infrastruktur für das Radfahren und zu Fuß gehen sind attraktiv und motivieren, sie zu nutzen. Fahrradfahrer und Fußgänger bekommen im Straßenraum und bei Investitionen den Vorrang vor jeglichem motorisierten Verkehr in der Innenstadt.

Weg von Monotonie und hin zu Lebendigkeit in der Innenstadt

In einer „Stadt der kurzen Wege“ mit gemischt genutzten Quartieren geht weniger Verkehr mit einer Steigerung der Lebensqualität einher. Wohnraum, Grünflächen, Büros, Einkaufsstraßen und kulturelle Orte stehen ergänzend nebeneinander und sorgen für lebendige Straße als Orte der Begegnung.

Wer sich mit der Greenpeace Gruppe Hamburg für die Verkehrswende in unserer Stadt einsetzen möchte, der findet unter “Mitmachen” die Informationen zu unserem Arbeitskreis Energie/Klima, der sich auch mit der Mobilität in Hamburg beschäftigt.